Wirksamkeit der Schlucktherapie in der akuten Schlaganfallphase

Samstag, 13. März 2010 verfasst von admin

Bislang gab es keine randomisierte kontrollierte Studie zur Wirksamkeit von Schlucktherapie in der akuten Schlaganfallphase. In die vorliegende australische Studie wurden in einem 3-Jahreszeitraum 306 dysphagische Schlaganfallpatienten der Akutphase (≤ 7 Tage) randomisiert 3 Gruppen zugewiesen: intensive Schlucktherapie (jeden Wochentag); nicht-intensive Schlucktherapie (drei Therapieeinheiten/ Woche); “usual care“, d.h. Supervision durch Speech Pathologist (SP), wenn der Arzt dies für notwendig hielt. In den beiden Gruppen mit Schlucktherapie basierten die Interventionen auf klinischen Untersuchungen und der Videofluoroskopie. Letztere erfolgte in der “usual care“- Gruppe nur, wenn sie vom Arzt angeordnet wurde. Das Outcome-Assessment erfolgte alle 4 Wochen 6 Monate lang durch einen SP, der die Behandlungsart nicht kannte.

Primäre Zielvariable war die Anzahl der Patienten, die sich nach dem Beobachtungszeitraum wieder wie vor dem Schlaganfall ernähren konnten (“normal prestroke diet“). Hinsichtlich des Überlebens ergab sich zwischen den drei Gruppen kein signifikanter Unterschied. In der intensiv therapierten Gruppe erreichten signifikant mehr Patienten eine „normal prestroke diet“ als in den beiden anderen Gruppen. Was sekundäre Zielvariablen betraf, so wiesen in der intensiv therapierten Gruppe signifikant mehr Patienten eine funktionelle Verbesserung des Schluckens auf. Im Vergleich mit “usual care“ waren in den beiden anderen Gruppen Aspirationspneumonien und sonstige medizinische Komplikationen signifikant seltener.

Diese Studie zeigt, dass Schlaganfallpatienten einen besseren Outcome haben, wenn in der Akutphase eine intensive Schlucktherapie begonnen wird (5 Einheiten/Woche). Die Studie weist einige Schwächen auf. So ist nicht nachvollziehbar, warum in der intensiv bzw. der nicht-intensiv therapierten Gruppe außer dem Zeitkriterium (5 bzw. 3 Einheiten/Woche) auch die Schlucktherapie-Methoden unterschiedlich definiert waren (kompensatorische Strategien, Beratung über sicheres Schlucken, diätetische Maßnahmen versus Schluckübungen und diätetische Maßnahmen). Die nicht-therapierte Kontrollgruppe erhielt möglicherweise – so die Autoren selbstkritisch in der Diskussion – nicht-intensive Schlucktherapie, weil die SP den Patienten diese Maßnahmen evtl. nicht vorenthalten wollten. Auch wurden international wenig bekannte Dysphagie-Scores verwendet. Da es sich um die erste Studie handelt, die eine nicht schlucktherapierte Kontrollgruppe verwendete, sind die Ergebnisse dennoch von großer praktischer Bedeutung. (MP)

Quelle: Carnaby G, Hankey GJ, Pizzi J. Behavioural intervention for dysphagia in acute stroke: a randomised controlled trial. Lancet Neurol 2006;5:31-37.
 

 


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