Wie lässt sich das Risiko eines TIA-Patienten absschätzen?

Samstag, 13. März 2010 verfasst von admin

in der nächsten Zeit einen Schlaganfall zu erleiden? Ein neues Prognosemodell hilft dabei, Hochrisikopatienten zu identifizieren.

Eine Risikoabschätzung nach TIA ist insbesondere wichtig vor dem Hintergrund, dass ein Schlaganfall innerhalb von sieben Tagen bei 5,5% aller Patienten und innerhalb von 90 Tagen bei 9,2% auftrat, davon bei 20% mit tödlichem Ausgang. Zur Risikoabschätzung nach TIA beruhen die Prognosemodelle aus Kalifornien und Oxford auf einer Addierung unabhängiger klinischer Risikofaktoren und haben mehrere Variablen gemeinsam. Das kalifornische Modell lag bislang nur als Abstract vor, während das ABCD-Modell aus Oxford bereits in drei kleineren populationsbasierten Kohorten validiert werden konnte.

Beide Prognosemodelle wurden an insgesamt 2893 TIA-Patienten aus Notfall-Ambulanzen extern validiert. Die Vorhersagegenauigkeit für einen Schlaganfall nach zwei, sieben und 90 Tagen lag in den verschiedenen Populationen zwischen 0,6–0,81, was einer mäßigen bis guten Prognose entspricht. Aus den gepoolten Daten der beiden Populationen für die Entwicklung der einzelnen Prognosemodelle wurde zudem ein gemeinsames Vorhersagemodell für das Schlaganfallrisiko nach TIA entwickelt. Dieses Prognosemodell umfasst die folgenden Prädiktoren (Punktwert): Alter > 60 Jahre (1), Blutdruck ≥ 140/90 mmHg (1), Halbseitenlähmung (2), Sprachstörung ohne Lähmung (1), Symptomdauer ≥ 60 min (2) oder 10–59 min (1) und Diabetes mellitus (1). Die Vorhersagegenauigkeit lag hier bei der Validierung mit 0,62–0,83 geringfügig höher als bei den früheren Prognosemodellen.

Das neue Prognosemodell, ABCD2, war in der internen Validierung den beiden bestehenden Prognosemodellen leicht überlegen und ergab die folgenden Risiken für einen Schlaganfall innerhalb der ersten zwei Tage nach TIA: Hochrisiko (6–7 Punkte): 8,1%; mittleres Risiko (4–5 Punkte): 4,1%; geringes Risiko (0–3 Punkte): 1,0%. Die Autoren empfehlen das gemeinsame Prognosemodell (ABCD2) zur künftigen Risikostratifizierung nach TIA, um Hochrisikopatienten unmittelbar abzuklären und sekundär prophylaktisch zu behandeln.

Kommentar von Christian Weimar, Essen
Die Arbeit stellt die bislang am besten untersuchten Prognosemodelle nach TIA sowie die gemeinsame Weiterentwicklung daraus vor. Die rein klinisch bzw. anamnestisch definierten Variablen erlauben eine Anwendung auch bei ambulanten Patienten ohne vorherige Bildgebung oder weitere diagnostische Abklärung. Eine Risikostratifizierung macht daher vor allem in Gesundheitssystemen Sinn, in denen die Abklärung nach TIA vorwiegend ambulant oder erst mit zeitlicher Verzögerung nach Ereignis stattfindet. Dies ist in Deutschland glücklicherweise (noch) nicht der Fall. Die praktische Anwendung des vorgestellten Prognosemodells zur Entscheidung über eine stationäre Aufnahme wird sich daher auf Einzelfälle beschränken. Denkbar wäre jedoch auch eine Triage für die Stroke-Unit-Überwachung oder den Einschluss in klinische Studien, welche eine möglichst hohe Ereignisrate anstreben. Gerade bei TIA bleibt zudem immer eine Restunsicherheit bezüglich einer fokal ischämischen vs. anderen Ursachen bestehen. Die vorgestellten Modelle können daher zusätzlich zur Bestätigung der Diagnose sowie der daraus abgeleiteten therapeutischen Konsequenzen beitragen.

 


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