Soll man Versicherte mit Adipositas zur Kasse bitten?

Samstag, 13. März 2010 verfasst von admin

BERLIN, 27. April 2007 (MedCon) – Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) hat gefordert, dass Fettleibige mehr in die Gesetzliche Krankenversicherung zahlen. "Gute Worte" reichen seiner Ansicht nach nicht aus.

"Jeder, der Adipositas hat, soll 25 Prozent mehr zahlen", sagte der Vorsitzende des Ausschusses Jugendmedizin im BVKJ, Dr. Uwe Büsching, gegenüber der MedCon-Redaktion. Das solle für Kinder und für Erwachsene gelten. Fettleibigkeit ist genau definiert: Die Weltgesundheitsorganisation hat festgelegt, dass alle mit einem Body Mass Index (BMI) von 30 und höher adipös sind. Adipositas verursache einen "deutlichen Anstieg der Kosten", argumentierte Büsching. Viele Fettleibige bekämen Diabetes mellitus Typ-2 und Herzkreislaufkrankheiten.

Im Gegensatz dazu ist dem Mediziner zufolge ein Kostenschub durch Übergewichtige nicht belegt. So plädierte Büsching dafür, lediglich Versicherte mit Adipositas mehr zahlen zu lassen. "Und wer abgenommen hat, wird von der Zuzahlung wieder befreit." Die Idee, fettleibige Kinder aus der kostenlosen Familienversicherung herauszunehmen, lehnt der Kinder- und Jugendarzt ab. "Man muss sie nicht gleich rausschmeißen", meinte Büsching. "Aber wir müssen Versicherte mit Adipositas langsam mal zur Kasse bitten." Der Chef der KV Bayern, Dr. Axel Munte, hatte vorgeschlagen, dass übergewichtige Kinder aus der Familienversicherung herausfallen.

"Der Schwerpunkt der Dicken befindet sich bei den Arbeiterkindern", gab Büsching zu Bedenken. Die Politik müsse sich bewusst sein, wen sie mit einer solchen Regelung treffe. Doch auch der BVKJ ist dafür, den Druck auf die Fettleibigen zu erhöhen. "Wir reden seit vielen Jahren", klagte Büsching. Trotzdem sei die Entwicklung der vergangenen zehn Jahre negativ. "Erklärungen reichen leider nicht, gute Worte bringen uns nicht weiter."

Auch Angebote an Fettleibige verfehlen offensichtlich oft die erwünschte Wirkung: Seine Praxis habe einmal ein Zehn-Abende-Programm angeboten, erzählte der Kinderarzt. Nach drei Mal sei keiner mehr gekommen. Mit Blick auf die zahlreichen Programme gegen Adipositas ist Büsching ernüchtert: "Wenn 25 Prozent der Teilnehmer abgenommen haben, dann ist das schon ein Riesenerfolg." Für den Mediziner ist es höchste Zeit zu handeln und den Fettleibigen unmissverständlich zu sagen: "Wenn ihr jetzt nicht vernünftig werdet, dann müsst ihr zahlen."

 

 

 


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