Placebo-Kontrollierte Studie mit der Traub-Therapie

Samstag, 13. März 2010 verfasst von admin

Keine andere physiotherapeutische Technik hat so viel akademisches Interesse hervorgerufen und die Gemüter so erhitzt wie die sog. constraintinduced movement therapy. Edward Taub und Mitarbeiter versuchten neben den zahlreichen bereits existierenden Studien eine weitere anzufügen, die auch kontrolliert war durch eine Placebo-Gruppe. Über Zeitungsanzeigen rekrutierten sie zwei Gruppen von zwanzig Patienten mit mäßiger oder geringfügiger Armparese.

Der Hirninfarkt lag 3,6 in der Interventionsgruppe bzw. 5,3 Jahre in der Placebo-Gruppe zurück. Die Interventionsgruppe erhielt 6 Stunden intensives, individuell ausgerichtetes, motorisches Training pro Tag unter Einschluss von häufigem Feedback und shaping, d.h. Steigerung der Anforderung mit zunehmender Leistung. Zusätzlich trugen sie zur Immobilisierung der besseren Hand 90% der Wachzeit eine Schiene an der weniger betroffenen Hand.

Das Training erstreckte sich über 10 aufeinanderfolgende Werktage. Die Kontrollgruppe erhielt Training von gleicher Intensität und Zeit mit gleich viel Therapeutenkontakten. Sie nahmen an einem Fitness Programm mit Schulung von Gleichgewicht und Kraft teil. Es wurden Spiele zur Förderung der Kognition durchgeführt und Entspannungstraining. Beide Gruppen empfanden ihr Training als gleich gut. Zielparameter waren Qualität und Umfang des Einsatzes der Hand im Alltag entsprechend Eigenrating und Fremdrating durch Betreuer, tatsächlicher Einsatz der betroffenen Hand im Alltag entsprechend verblindeter Videoanalyse und Wolf-Motor Function Test (WMFT).

Die Interventionsgruppe verbesserte sich signifikant gegenüber der Kontrollgruppe hinsichtlich Qualität und Umfang des Einsatzes der Hand im Alltag. Die Schnelligkeit verbesserte sich signifikant, die Leistungsfähigkeit nicht signifikant im WMFT. Nach 2 Jahren konnten 14 von 20 Probanden nachuntersucht werden. Diese zeigten einen anhaltend hohen Einsatz ihres betroffenen Armes im Alltag.

Kommentar
Gravierende methodische Schwächen hat die Arbeit in dem Sinne, dass keine Randomisierung zwischen der Placebo- und Interventionsgruppe erfolgte. Die Intention-to-treat Analyse ist aufgrund der drop-out Rate von 30% nicht aussagekräftig. Als Endpunkt fehlt eine Skala zur Lebensqualität. Die Gruppen erscheinen über Anzeigen hoch selektioniert. Es werden keine Angaben gemacht, wie viele Patienten ausgeschlossen wurden. Damit ist eine Generalisierung auf Patienten mit Hirninfarkten im Allgemeinen schwer möglich.

Die Studie erbringt neue Plazebokontrollierte Evidenz für die constraint- induced movement therapy. Dies ist eine systematisch-methodische Ergänzung, jedoch inhaltlich nichts neues. Auch wenn Elemente des Trainings (alltagsbezogenes, aufgabenorientiertes Training, repetitive Elemente, Verhinderung des learned non-use, shaping) mittlerweile in die meisten physiotherapeutischen Techniken Einzug gehalten haben, fehlen in dieser Studie Hinweise auf eine Generalisierbarkeit bzw. darauf, bei wie viel % der Patienten mit Hirninfarkt diese Therapie in Reinform anwendbar ist. (CHD)

Quelle: Taub E, Uswatte G, King DK, Morris D, Crago JE, Chatterjee A:A placebo-controlled trial of constraint-induced movement therapy for upper extremity after stroke. Stroke 2006;37:1045-1049.

 

 

 


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