Outcome von Schlaganfallpatienten mit schweren Schluckstörungen

Samstag, 13. März 2010 verfasst von admin

Schluckstörungen finden sich aufgrund der derzeitigen Datenlage bei ca. 50% der Patienten mit akutem Schlaganfall.

Es gibt aber wenig Daten über den längerfristigen Outcome von Schlaganfallpatienten mit Dysphagien. Die vorliegende Studie untersuchte Outcome- Prädiktoren von Schlaganfallpatienten mit einer schweren oropharyngealen Dysphagie und Notwendigkeit einer PEG-Anlage. Primäre Zielvariable war das Überleben dieser Patienten. Unabhängige Variablen waren u.a.: Geschlecht, Alter, Art des Schlaganfalls, supra-/infratentorielle Läsionslokalisation, Dauer der Sondenernährung, Aspirationen im CAFS bzw. in der Videofluoroskopie (VFSS), PEG zum Entlassungzeitpunkt vorhanden/entfernt, Dauer der Rehabilitation, FIM (Functional Independence Measure) und FIM-Items/-Subscores, Subscore „Schlucken“ des FCM (Functional Communication Measure).

Von 664 konsekutiv in einer Rehabilitationseinrichtung aufgenommenen Patienten litten 77 an einer schweren Dysphagie und waren mit einer PEG versorgt. Bei 66/77 (85,7%) war – im Mittel 2 Jahre nach dem Schlaganfall – ein follow-up möglich. 24 Patienten waren zu diesem Zeitpunkt verstorben (36,4%); von den überlebenden 42 Patienten war bei 19 (45,2%) die PEG entfernt worden. Bei diesen Patienten waren folgende – jeweils zum Zeitpunkt der Entlassung aus der Rehabilitationseinrichtung erhobene – Variablen mit längerfristigem Überleben positiv korreliert: kurze Dauer der Sondenernährung; keine Aspirationen im CAFS/in der VFSS; guter FIM-Score für Essen, Motorik und Kognition; guter FCM-Score für Schlucken. Darüberhinaus erwies sich in einer logistischen Regression die Kombination folgender bei Rehabilitationsende erhobener Variablen als positiver bzw. negativer Prädiktor eines längerfristigen Überlebens (Vorhersagekraft jeweils ca. 75%): „PEG entfernt bzw. vorhanden“ und „Aspiration in der VFSS nicht nachweisbar bzw. vorhanden“.

Kommentar:
Aufgrund der Ergebnisse dieser methodisch sorgfältig durchgeführten Studie ist längerfristiges Überleben schwer schluckgestörter Schlaganfallpatienten eher unwahrscheinlich, wenn die Patienten bei Entlassung aus der Rehabilitation immer noch auf eine PEG angewiesen sind bzw. Aspirationen aufweisen. Dabei besitzt eine Kombination der zwei Variablen „Aspiration bei Rehabilitationsende in der VFSS nicht nachweisbar bzw. vorhanden“ und „PEG bei Rehabilitationsende entfernt bzw. vorhanden“ einen hohen positiven bzw. negativen prädiktiven Wert bzgl. längerfristigen Überlebens. Da auch FIM- und FCM-Subscores sowie der CAFS-Subscore „Schlucken“ mit längerfristigem Überleben korrelierten, kommt dem Einsatz dieser Skalen zum Zeitpunkt der Entlassung aus einer Rehabilitationseinrichtung besondere Bedeutung zu. Als diese Studie publiziert wurde, waren die Daten der in Lancet (2005) veröffentlichten FOOD-Studie noch nicht bekannt, wonach eine PEG-Anlage in der akuten Schlaganfallphase gegenüber einer nasogastralen Sonde (NGS) mit einem signifikant schlechteren Outcome assoziiert ist. In der Studie von Ickenstein et al. betrug die mittlere Zeit bis zur Sonden-Anlage nur 14,2 Tage. Vielleicht wären die Ergebnisse der Studie etwas anders ausgefallen, wenn zunächst eine NGS gelegt worden wäre. Aber das ist Spekulation und schmälert die Bedeutung der Studie in keiner Weise. (MP)

 

Quelle: Ickenstein GW, Stein J, Ambrosi D, Goldstein R, Horn M, Bogdahn U. Predictors of survival after severe dysphagic stroke. J Neurol 2005;252:1510-151

 

 


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