Kernspin dem CT in der Akutdiagnostik deutlich überlegen

Samstag, 13. März 2010 verfasst von admin

Bethesda – Die Computertomographie (CT) kann bei Schlaganfall-Patienten zwar ebenso zuverlässig wie die Kernspintomographie (MRT) eine Hirnblutung ausschließen. Die Sensitivität der Diagnostik, also die Frage, ob tatsächlich ein ischämischer Schlaganfall vorliegt, war in einer prospektiven Vergleichsstudie im Lancet (2007; 369: 293-298) mit der MRT deutlich besser zu beantworten als mit dem CT, weshalb das US-National Institute of Health das MRT zum neuen Standard bei der Schlaganfalldiagnostik erheben möchte.

Patienten, die innerhalb von 3 Stunden nach Einsetzen der Symptome die Klinik erreichen, können mit einer Thrombolyse behandelt werden. Die wichtigste Kontraindikation ist eine Hirnblutung, die möglichst ausgeschlossen werden muss, da sie durch die Gabe der fibrinolytischen Medikamente noch verschlimmert würde. Das bildgebende Verfahren der Wahl ist heute ein CT. Als Alternative bietet sich eine MRT an, da die Geräte mittlerweile an vielen Kliniken ebenfalls vorhanden sind.

Julio Chalela und Kollegen vom US-National Institute of Neurological Disorders and Stroke in Bethesda/Maryland haben die beiden bildgebenden Verfahren jetzt einem prospektiven Vergleich unterzogen. Sie bewerteten die Aufnahmen von 356 Patienten, die zur Untersuchung schlaganfallähnlicher Symptome in der Notfallaufnahme einer Klinik in Bethesda erschienen waren: 217 von ihnen erhielten letztendlich die klinische Diagnose eines akuten Schlaganfalls.

Wie die Forscher feststellen, waren CT und MRT im Ausschluss einer Hirnblutung gleichwertig: Von den 27 Patienten mit dieser abschließenden Diagnose erkannte das CT 25 Fälle, das MRI 23 Fälle, ein statistisch nicht signifikanter Unterschied.

Die Überlegenheit des MRT zeigt sich in der Sensitivität, mit der die ischämischen Schlaganfälle diagnostiziert wurden. Wichtig ist das Ergebnis hier nur in der Untergruppe der Patienten, die innerhalb von drei Stunden die Klinik erreichten. Das MRT erkannte 41 von 90 Fällen eines ischämischen Schlaganfalls (46 Prozent; 95-Prozent-Konfidenzintervall 35-56 Prozent), das CT dagegen nur 6 von 90 Fällen (7 Prozent; 3-14 Prozent).

Bezogen auf die Gesamtgruppe der Patienten (einschließlich der für die Thrombolyse zu spät Eintreffenden) hatte das MRI eine Sensitivität von 83 Prozent (181 von 217 Fällen; 78 bis 88 Prozent). Das CT hatte eine Sensitivität von 26 Prozent (56 von 217 Fällen; 20 bis 32 Prozent).

Diese Zahlen sind nach Ansicht des US-National Institute of Neurological Disorders and Stroke eindeutig. Wann immer ein Kernspintomograph in der Klinik vorhanden ist, sollte ihm der Vorzug gegeben werden, fordern die US-Neurologen. Sie halten die Ergebnisse für direkt in die klinische Praxis übertragbar, da die Studie an einer Klinik der Normalversorgung durchgeführt wurde und deshalb repräsentativ für die gesamte Bandbreite der Erkrankung sei, die in den Notfallsituationen eines vermuteten Schlaganfalls angetroffen werde.

Das MRT könnte nach Ansicht der Experten auch das Vertrauen der Ärzte in die Diagnostik erhöhen. Denn vielfach unterbleibe eine thrombolytische Therapie, weil die Ärzte sich nicht sicher in ihrem Urteil sind. Die Vorsicht ist durchaus verständlich, da die fibrinolytische Therapie durchaus mit Risiken verbunden ist, ihre Wirkung selber aber begrenzt ist. Dennoch legen die Leitlinien klar fest, dass die Therapie erfolgen sollte, wenn der Patient rechtzeitig die Klinik erreicht, was allerdings immer noch viel zu selten der Fall ist. © rme

 

 


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