Dackel Pelle motiviert gelähmte Patienten

Samstag, 13. März 2010 verfasst von admin

Als die Tür der Neurologiestation des Klinikums Bremen-Ost aufgeht und der kleine Hund auf den Mann zuläuft, fängt dessen Gesicht an zu strahlen. Sagen kann der Mann nichts. Auch aufstehen kann er nicht. Er sitzt im Rollstuhl, denn er ist gelähmt. Der Hund Pelle schnuppert an der Hand des Patienten, in der Kanülen mit dünnen Schläuchen stecken, die an verschiedene Apparate angeschlossen sind. Der Mann lächelt immer noch. Es ist eine der wenigen Regungen, die seine Muskeln ihm zur Zeit erlauben.

Eine große Rolle spielt Pelle mittlerweile – bei den Patienten ebenso wie bei den Ärzten und den Schwestern. "Pelle erfährt extreme Unterstützung auf der ganzen Station", sagt Oberarzt Markus Ebke. "Durch den Hund werden die Patienten unglaublich motiviert." Das kann die Physiotherapeutin Westerkamp bestätigen. Sie berichtet von einem jungen Mann, der nach längerer Therapie die Lust an den täglichen Übungen verloren hatte. "Aber als ich mit Pelle zu ihm kam, wollte er auf einmal doch wieder mitmachen."

Auf die Idee, sich mit ihrem Dackel zu einem "Therapiehunde-Team" ausbilden zu lassen, ist die 33jährige durch ihr Interesse an der Delphintherapie gekommen. Dabei kommen Patienten bekanntlich mit Delphinen in Berührung, was die Genesung beschleunigen soll. "Aber Delphine sind hier ja nun einmal nicht so weit verbreitet", sagt Westerkamp lachend. Also heißt es für die Patienten auf der Neurologiestation in Bremen: Pelle statt Flipper.

Ausgebildet wurden der Dackel und sein Frauchen von Ines Pawlitzki, der Vorsitzenden des Deutschen Berufsverbands für Therapie- und Behindertenbegleithunde (DBTB). Etwa ein Jahr dauert es, bis Hund und Halter für den Einsatz in Kliniken, Behinderteneinrichtungen oder Pflegeheimen fit sind. Grundsätzlich kann fast jeder Hund dafür ausgebildet werden. "Die Tiere müssen vor allem gesund, lernfreudig und menschenbezogen sein", sagt Pawlitzki.

Der gelähmte Mann im Rollstuhl muß das Streicheln erst wieder lernen. Pelle darf sich dann von unsicheren Bewegungen oder etwas ruppigeren Streicheleinheiten nicht aus der Ruhe bringen lassen.Therapeutin Westerkamp nimmt seine Hand und streichelt mit ihr über den Rücken des Hundes, der ganz ruhig neben dem Mann liegt. Hinterher gibt es für Pelle ein "Leckerli". Auch Westerkamp wird für ihre Arbeit belohnt – durch ein Lächeln des Patienten. (dpa)

Interessenten können sich beim Deutschen Berufsverband für Therapie- und Behindertenbegleithunde e.V. erkundigen (Ines Pawlitzki, Tel.: 01 73 / 104 77 65). Hier gibt es auch Adressen von Therapiehundehaltern.

Infos im Internet unter: www.behindertenbegleithunde.de

von Nadine Behrens

 

 

 


Falls für Sie diese Information hilfreich war, freuen wir uns über eine SPENDE

 

Ähnliche Beiträge

  1. Schrittzähler motiviert zu “artgerechter” Gehstrecke
  2. Den LDL-Zielwert erreichen nur 40 Prozent der KHK-Patienten
  3. Ein Medikament gegen die Bluterkrankheit hilft auch Patienten, die einen Schlaganfall aufgrund einer Hirnblutung erleiden
Werbung

Rss Feed Tweeter button Facebook button Myspace button Linkedin button