Status des Immunsystems beeinflusst Kognition

Freitag, 12. März 2010 verfasst von admin

Das Immunsystem scheint einen wesentlichen Einfluss auf Kognition und Verhalten zu haben.

Das ergab eine aktuelle Studie israelischer Wissenschaftler. Im Tierversuch konnten sie demonstrieren, dass ein T-Zell-Mangel mit manifesten neuro-psychologischen Defiziten einhergeht.

Das Team um Jonathan Kipnis vom Weizmann Institut in Israel untersuchte zu diesem Zweck verschiedene Gruppen von Mäusen: ausgewachsene gesunde Mäuse, Mäuse mit einem kombinierten Immundefekt und Nacktmäuse mit einem T-Zell-Mangel. Die Tiere mussten den Morris Water Maze (MWM) Behavioral Test zum räumlichen Lernen und Gedächtnis absolvieren und dafür in einem kleinen Wasserbecken eine versteckte Plattform finden. Sie hatten dafür jeweils vier Versuche an vier aufeinander folgenden Tagen, am fünften Tag wurde die rettende Plattform entfernt und am sechsten und siebten Versuchstag auf der gegenüberliegenden Seite angebracht.

Die immundefizienten Mäuse brauchten deutlich länger als die gesunden Artgenossen, um ihre Aufgabe erfolgreich zu absolvieren, und waren nicht in der Lage, das Erlernte am nächsten Tag zu reproduzieren. Ähnliches galt für Versuchstiere, die unter dem Einfluss psychotroper Substanzen wie etwa Amphetaminen standen. Erhielten diese Mäuse allerdings Cop-1, eine auf T-Zellen basierende Vakzine, waren sie gegen das durch die Drogen hervorgerufene Neurotransmitter-Ungleichgewicht geschützt und schnitten im Versuch besser ab. Die Autoren schließen aus ihren Beobachtungen, dass ein peripherer T-Zell-Mangel durchaus zu Störungen im Bereich der Kognition und des Verhaltens beitragen könnte.

Die Ergebnisse der vorliegenden Untersuchung sind in ihrer Deutlichkeit überraschend, lassen aber keine direkten Rückschlüsse auf den Menschen zu. Die Autoren selbst verweisen ausdrücklich nur auf psychiatrische Erkrankungen, bei den ein Immundefizit wahrscheinlich ist, etwa dementielle Verläufe im Rahmen einer HIV-Infektion oder im fortgeschrittenen Alter.

Quelle: Kipnis J. et al. et al.: T cell deficiency leads to cognitive dysfunction: Implications for therapeutic vaccination for schizophrenia and other psychiatric conditions Proc Natl Acad Sci U S A: 2004 Vol. 101(21) 8180-85

 

 


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