Karotis-Stenose: Operation oder Stent haben ähnliches Risiko

Freitag, 12. März 2010 verfasst von admin

Heidelberg (hil) – Die operative Ausschälung einer Karotis-Stenose und ein Stent sind gleichermaßen geeignet, einen weiteren Schlaganfall zu verhindern.

Das berichtet eine Arbeitsgruppe der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg in der Zeitschrift Lancet (online before print).

Jährlich erleiden etwa 20.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, der durch Ablagerungen in den Halsschlagadern verursacht wird. Das Risiko dieser Patienten, einen weiteren Schlaganfall zu bekommen, ist besonders hoch. Die Operation an der Halsschlagader (Endarteriektomie) gilt seit mehr als 20 Jahren als hervorragende Methode, um das Risiko für weitere Schlaganfälle zu reduzieren. Dabei schälen Gefäßchirurgen durch einen Zugang am Hals die Fett- und Kalkablagerungen aus der Schlagader heraus und beseitigen so die Engstelle. Durch diesen Eingriff kann das Schlaganfallrisiko für die nächsten zwei Jahre um mehr als die Hälfte gesenkt werden. Eine Alternative ist seit einigen Jahren das Einsetzen einer Gefäßprothese: Der Stent wird durch einen Katheter in das Gefäß eingebracht und hält es offen. Der Blutfluss wird bei diesem Verfahren nicht unterbrochen, ein Schnitt am Hals ist nicht notwendig.

Ob diese weniger invasive Technik Vorteile gegenüber der Operation bringt, ist bislang nicht wissenschaftlich belegt, obwohl diese Behandlungsform in Deutschland bereits sehr häufig angewendet und teilweise sogar bevorzugt wird. „Das Stenting wurde ohne Datenunterlage als überlegene Therapie verkauft“, erklärte Werner Hacke, Ärztlicher Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Heidelberg und Vorsitzender des so genannten SPACE-Steering-Komitees. In der SPACE-Studie (Stentgestützte Angioplastie der Carotis versus Endarteriektomie) untersuchten Neurologen, Gefäßchirurgen und Neuroradiologen gemeinsam, ob Operation und Stentbehandlung in Bezug auf Behandlungsrisiko und Langzeitvorbeugung gleichwertig sind. SPACE startete 2001. Es beteiligen sich 33 gefäßchirurgische Zentren aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit 1.200 Patienten.

Es zeigte sich, dass das Risiko, nach der Behandlung einen Schlaganfall zu erleiden oder zu sterben, bei Stent-Patienten geringfügig höher ist als bei operativ behandelten Patienten. „Die Komplikationsraten variieren aber nicht so stark, dass von einer Stentbehandlung generell abzuraten ist“, erklärte Hacke. Welche Behandlung im Einzelfall vorgezogen werde, müssten die Ärzte bei jedem Patienten individuell abwägen.

Die Studie zeigte außerdem: Die Zentren unterscheiden sich deutlich in der Qualität der Behandlung. Ein wichtiger Faktor ist dabei die Zahl der dort vorgenommenen Eingriffe. Die Auswahl der Einrichtung entscheidet deshalb wesentlich über den Behandlungserfolg.

 

 


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