Fettleibigkeit beginnt im Kopf

Freitag, 12. März 2010 verfasst von admin

Die mit dem Begriff „Metabolisches Syndrom” bezeichneten Krankheitsbilder nehmen in den westlichen Industrienationen nahezu epidemieartige Ausmaße an.

Eine Ursache dafür könnte nach der Hypothese von Neurologen ein Lebensstilbedingter gestörter zirkadianer Rhythmus und ein aus den Fugen geratenes vegetatives Nervensystem sein.
Das 20. Jahrhundert war von einer einschneidenden Änderung des Lebensstils in den westlichen Industrienationen geprägt. Die Möglichkeit, zu jeder Tages- und Nachtzeit nach Belieben zu speisen oder im Übermaß Kalorieren zu sich zu nehmen bei gleichzeitig verminderter körperlicher Aktivität führte nach Ansicht der Autoren zu einer Störung im komplizierten zirkadianen Regelmechanismus. Die Diskrepanz zwischen internen Steuermechanismen und externen Reizen hatte nach der Hypothese der Autoren eine metabolischen Desensibilisierung des Systems zur Koordinierung externer und interner Rhythmen zur Folge. Angesichts des langen Zeitraums bis zur Entwicklung dieser inneren Uhr im Verlauf der Evolution sprechen die Autoren sogar von einer „Verhaltens-Mutation". Da interne Rhythmen über das vegetative Nervensystem koordiniert werden, vermuten die Autoren als Hauptursache für die Entwicklung eines metabolischen Syndroms ein unbalanciertes und aus dem Rhythmus geratenes vegetatives Nervensystem.

Der Taktgeber für den zirkadianen Rhythmus liegt im Nucleus suprachiasmaticus (SCN) und vermittelt seine Signale über das vegetative Nervensystem. Die Rolle des vegetativen Nervensystems in diesem Regelkreis wurde bis vor kurzem zu wenig beachtet, so die Autoren. Nach ihren Ergebnissen moduliert der vom motorischen Vaguskern ausgehende parasympatische Reiz auf das Fettgewebe dessen Insulinsensitivität sowie Glukose- und Fettmetabolismus. Gehirn-gesteuert komme es entweder zum Abbau (Sympatikus-vermittelt) oder Aufbau (Parasympatikus-vermittelt) von Fettgewebe.

Zu viele Pfunde auf der Waage als äußerliches Zeichen der Zivilisationskrankheit „Metabolisches Syndrom" sind nach dem Fazit der Autoren nicht unbedingt die Folge ungezügelter Fresslust. Ihrer Ansicht nach werden vielmehr entgegen dem Takt der inneren Uhr dem Körper zur Unzeit Kalorieren zugeführt, die als „Überschuss" unvermittelt im Fettgewebe landen.

Quelle: BSMO, 05.10.2006
 

 


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