Erhöhte Homocystein-Werte erhöhen Schlaganfall- und Herzinfarktrisiko

Freitag, 12. März 2010 verfasst von admin

Nicht alle Fälle von Schlaganfall und Herzinfarkt sind mit den bekannten Risikofaktoren erklärbar.

Spielt auch die Aminosäure Homocystein eine Rolle?

Vielleicht gibt es ja doch so etwas wie Stoffwechselschlacken, auch wenn die meisten Arzte den Begriff nicht gerne hören. Auf die Aminosäure Homocystein passt die Beschreibung ziemlich gut: Die Substanz entsteht beim Abbau bestimmter Eiweißbausteine. Fehlen Vitamine in der Nahrung oder ist der Stoffwechsel aufgrund einer erblichen Veranlagung gestört, häuft sich Homocystein im Körper an.

Dies erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die in den Industrieländern zu den häufigsten Todesursachen gehören. Allein in Deutschland erleiden jedes Jahr rund 300000 Menschen einen Schlaganfall und fast ebenso viele einen Herzinfarkt. Forscher identifizierten dafür vier Risikofaktoren: erhöhte Cholesterinwerte, Bluthochdruck, Diabetes und das Rauchen.

Aber nicht alle Erkrankungsfälle sind dadurch erklärbar. Deshalb sind Wissenschaftler schon länger auf der Suche nach weiteren Faktoren. Dabei stießen sie bereits Ende der sechziger Jahre auf Homocystein. Seitdem haben Herz-Kreislauf-Forscher die Substanz im Visier, und verschiedene Studien zeigten: Erhöhte Homocystein-Werte stehen mit Schlaganfall und Herzinfarkt in Zusammenhang.

Weniger klar sind derzeit noch zwei Dinge: Zum einen kann niemand genau erklären, wieso das Herz-Kreislauf-Risiko mit dem Homocystein-Spiegel steigt. "Wissenschaftliche Untersuchen zeigen, dass zu viel Homocystein dem Gefäßsystem auf verschiedene Weise schadet: Das Risiko für Blutgerinnsel erhöht sich und die Wände der Arterien werden dicker, so dass die Gefahr von Durchblutungsstörungen steigt", erklärt Dr. Jutta Dierkes, Ernährungswissenschaftlerin am Institut für klinische Chemie und Pathobiochemie der Universität Magdeburg.

Zweitens gibt es derzeit noch keine verlässlichen Studien, die zeigen, dass sich durch eine Senkung des Homocystein-Spiegels die Gefahr eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls verringern lässt. Das wäre allein deshalb schön, weil es ganz einfach ist, die Homocystein-Werte niedrig zu halten:

Eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure reicht dafür aus. Die drei Vitamine beschleunigen die Umwandlung von Homocystein in die Aminosäure Cystein, die zum Aufbau von Eiweiß verwendet werden kann.

Liegt alles in den Genen?
Es ist aber nicht nur eine Frage der ausreichenden Versorgung mit Vitaminen, ob die Homocystein-Spiegel steigen. Bereits seit einiger Zeit ist bekannt, dass auch Variationen im so genannten MTHFR-Gen Auswirkungen darauf haben. Das Gen enthält den Bauplan für ein Enzym, das wichtig ist, um Folsäure zu recyceln. Bei Menschen, die eine bestimmte Variante dieses Gens in sich tragen, ist das Folsäure-Recycling sehr effekiv, und in der Folge sind die Homocystein-Werte besonders niedrig. Träger einer anderen MTHFR-Ausprägung können Folsäure nur schlecht im Stoffwechsel zurückgewinnen. Sie haben deshalb einen besonders hohen Homocystein-Spiegel und tragen ein größeres Schlaganfall-Risiko.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Aroon Hingorani vom University College in London verglich die Daten genetischer Studien mit denen aus epidemiologischen Untersuchungen. Störfaktoren, wie zum Beispiel Lebensgewohnheiten, sind in dieser Studie ausgeschaltet, meinen die Forscher.

Ihre Berechnungen zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit für einen Schlaganfall auch dann vergrößert ist, wenn die hohen Homocystein-Werte durch die genetische Ausstattung bedingt sind. Die Autoren ziehen aber in ihrer Veröffentlichung – sie erschien im britischen Medizin-Journal \i{Lancet} den Schluss, es sei wenig sinnvoll, zu untersuchen, welche Variante des MTHFR-Gens ein Mensch trägt.

Offen ist derzeit auch noch die Frage, ob sich das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall mit Präparaten reduzieren lässt, die Folsäure in Kombination mit den Vitaminen B6 und B12 enthalten.

Hierzu laufen zwei Studien mit beinahe 60000 Teilnehmern. Spurensuche:
Wie Cholesterin wird auch Homocystein durch eine Blutuntersuchung nachgewiesen.

Ergebnisse werden für Sommer dieses Jahres erwartet. Wer nicht so lange warten möchte, kann schon heute seine Vitamin-Versorgung optimieren. Folsäure ist vor allem in Blattgemüse, Brokkoli und Spargel enthalten. Dr. Dierkes nennt zudem Vollkornprodukte als gute Quelle.

Doch es gibt unter den Nahrungs- mitteln keine Folsäure- "Bomben", mit denen sich der Tagesbedarf leicht decken lässt. Zudem ist dieses Vitamin sehr empfindlich gegen Hitze oder den Kontakt mit Licht. So ergab die Verzehrsstudie der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE), dass die meisten Deutschen zu wenig Folsäure aufnehmen.

Wer gegensteuern möchte, kann deshalb zusätzlich zur gesunden Ernährung zu einem Präparat aus der Apotheke greifen, das Folsäure allein oder in Kombination mit den Vitaminen B6 und B12 enthält. Geeignete Produkte orientieren sich in ihrer Zusammensetzung an den Zufuhrempfehlungen der DGE.

Aus: Apotheken Umschau 2/2006

 

 


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