Ärztliche Sterbehilfe – In Kalifornien bald erlaubt?

Freitag, 12. März 2010 verfasst von admin

Oregon ist nach wie vor der einzige US-amerikanische Bundesstaat, der die ärztliche Sterbehilfe legalisiert hat.

Menschen, die eine Lebenserwartung von weniger als sechs Monaten haben, können sich dort von ihrem Arzt eine tödliche Arzneimitteldosis verschreiben lassen. Bei der Einnahme darf er ihnen allerdings nicht helfen. In die Schlagzeilen ist das Thema jetzt wieder getreten, weil in Kalifornien ein ähnlicher Gesetzentwurf diskutiert wird.

Die Mithilfe der Ärzte ist auf das Verschreiben beschränkt
Wie in Oregons "Death with Dignity Act" (Sterben mit Würde) bestimmt auch die geplante Regelung in Kalifornien, dass Patienten zum Zeitpunkt der Entscheidung nachweislich im Vollbesitz ihrer geistigen Kräfte sein müssen. Der Entwurf sieht vor, dass sie die tödliche Arzneimitteldosis dreimal verlangen müssen: zweimal mündlich und einmal schriftlich – letzteres im Beisein von zwei Zeugen, die vom Tod der Sterbewilligen keinerlei Vorteile erwarten dürfen. Wie in Oregon ist auch in Kalifornien die Mithilfe der Ärzte auf das Verschreiben der letalen Dosis beschränkt.

Depressionen dürfen nicht der Auslöser sein
Zusätzlich verlangt der kalifornische Entwurf, dass Patienten beraten und auf ihre psychische Gesundheit hin untersucht werden, um sicherzustellen, dass der Todeswunsch nicht von Depressionen motiviert ist.

Nach Ansicht von Sterbehilfe-Befürwortern zeigen die Erfahrungen in Oregon, dass das Gesetz weder übermäßig in Anspruch genommen noch missbraucht wird. Seit seiner Inkraftsetzung im Jahr 1997 haben sich dort 292 Menschen das Leben genommen – 46 davon im vergangenen Jahr. Gemessen an den jährlich mehr als 31 000 Todesfällen in Oregon sei das eine bescheidene Zahl, meint etwa Dr. Mel Kohn.

Er arbeitet als Epidemiologe für den Bundesstaat. Eine entsprechende Regelung in Kalifornien würde allerdings für wesentlich höhere Zahlen sorgen, schon allein deshalb, weil der bevölkerungsreichste Bundesstaat der USA über 30 Millionen mehr Einwohner als Oregon hat. Weil Kalifornien anderen Bundesstaaten zudem oft als legislatives Vorbild dient, kämpfen Sterbehilfegegner und -befürworter hart darum, sich bei Öffentlichkeit und Gesetzgeber Gehör zu verschaffen. Der katholische Kardinal Roger Mahony nahm unlängst die Gelegenheit wahr, den Gesetzentwurf in einer Predigt zu verurteilen und dem katholischen Sponsor des Entwurfs, Fabian Nunez, vorzuwerfen, er habe sich einer "Todeskultur" zugewandt – ein Kommentar, der in der Presse eingehend diskutiert wurde.

Die US-Bürger scheinen mehrheitlich mit einer solchen "culture of death" zu sympathisieren: Nach einer Gallup-Umfrage meinen 75 Prozent der Bürger, es solle Ärzten erlaubt sein, todkranken Patienten behilflich zu sein, wenn diese ihr Leben beenden wollten. Wenn allerdings in der Fragestellung der Begriff "Beihilfe zum Selbstmord" benutzt wird, sind sich die Befragten nicht mehr so sicher: Nur noch 58 Prozent sagen dann "ja".

Die kalifornischen Ärzte sind derweil gespalten: Die Medical Association, die 35 000 Ärzte im Land vertritt, ist gegen das Gesetz, weil es ihrer Ansicht nach gegen die ethischen Verpflichtungen der Mediziner verstößt. Die kalifornische Association of Physician Groups, welche mehr als 150 Ärztegruppen repräsentiert, unterstützt dagegen den Entwurf.

von Claudia Pieper
 

 


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