Ärztliche Aufklärungspflicht – 04

Freitag, 12. März 2010 verfasst von admin

Der Rechtsweg

Kommt keine Einigung zustande, lässt sich der Gang zum Gericht kaum vermeiden. Hier stehen Ihnen zwei verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

a) Zivilrechtsweg

Im Zivilverfahren können Sie vertragliche und nicht-vertragliche (deliktische) Ansprüche gegen den Arzt oder seine Mitarbeiter geltend machen. Auf diesem Wege können Sie Schadensersatz (z.B. Verdienstausfall) oder Schmerzensgeld einklagen.

aa) Vorteile:

· Wird der Arzt rechtskräftig verurteilt, muss er an Sie zahlen.
· Die Erhebung einer Klage erhöht beim Arzt die Bereitschaft, sich im Wege des Vergleiches zu einigen und eine bestimmte Summe zu zahlen.
· Während das Verfahren läuft, können Ihre Ansprüche nicht verjähren.

bb) Nachteile:

· kompliziertes Verfahren, das durch drei Gerichtsinstanzen gehen kann und von einem juristischen Laien nicht allein durchgeführt werden sollte. In den meisten Fällen müssen Sie sich von einem Anwalt vertreten lassen.
· Wenn Sie verlieren, müssen Sie die gesamten Kosten des Gerichtsverfahrens einschließlich der Kosten für den Anwalt des Arztes tragen.
· Sie müssen den Behandlungsfehler nachweisen. Können Sie dem Gericht nicht die notwendigen Beweise (z.B. Fotos, Zeugen, Gutachten) vorlegen, kann es schon allein deshalb gegen Sie entscheiden.

b) Strafrechtsweg

Im Strafverfahren kann der Arzt für Körperverletzung oder sogar wegen Tötung nach den Vorschriften des Strafgesetzbuches (StGB) zur Verantwortung gezogen werden.

aa) Vorteile:

  •  Das Verfahren ist für Sie kostenfrei.
  •  Der Staatsanwalt muss den Behandlungsfehler zur Überzeugung des Gerichts nachweisen; er gibt daher entsprechende medizinische Gutachten in Auftrag.
  •  Der Arzt wird im Falle einer Verurteilung bestraft. Er muss entweder eine Geldstrafe an den Staat zahlen. In schweren Fällen kann sogar eine Gefängnisstrafe gegen den Arzt verhängt werden.

bb) Nachteile:

  •  Wird der Arzt verurteilt, bekommen Sie in der Regel selbst noch kein Geld zugesprochen. Sie müssen noch zusätzlich ein Zivilverfahren anstrengen.
  •  Während das Strafverfahren läuft, können Ihre zivilrechtlichen Ansprüche auf Schadensersatz bzw. Schmerzensgeld verjähren.
  •  Die Vergleichsbereitschaft unter den Parteien sinkt erfahrungsgemäß erheblich.

 

 


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