Wirkstoff Desmoteplase von Fledermäusen könnte Blutgerinnsel auflösen

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Der Schlaganfall ist nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Mehr als 200.000 Menschen erleiden jedes Jahr einen Schlaganfall, wenn Hirnarterien durch Blutgerinnsel blockiert werden.

Bisher bleibt den Ärzten nur ein enges Therapiefenster von drei Stunden. Während dieser Zeit kann das einzige bisher zugelassene Medikament eingesetzt werden, um die Blutgerinnsel wieder aufzulösen. Nur wenige Schlaganfallpatienten erreichen jedoch rechtzeitig eine spezialisierte Klinik.

Jetzt aber sind Neurologen des Uniklinikums Aachen mittels des neuen Wirkstoffes Desmoteplase einen Schritt weiter. Es kann ebenfalls Blutgerinnsel im Gehirn auflösen. Der lebenswichtige Unterschied: Die Patienten können bis zu neun Stunden nach dem Einsetzen der akuten Symptome behandelt werden.

Neuer Wirkstoff aus der Natur
Die Entdeckung des Wirkstoffs begann – wie so manche Erfolgsstory in der Biochemie – mit einer zufälligen Naturbeobachtung: Nachdem mittelamerikanische Vampirfledermäuse ihre Opfer, zum Beispiel Rinder oder Pferde, mit ihren spitzen Zähnen geritzt hatten, leckten sie anschließend bis zu 30 Minuten lang das Blut aus der Wunde. Es stellte sich die Frage, warum die Wunde sich nicht verschloss, warum das Blut also nicht gerann. Ein mexikanischer Biologe untersuchte schließlich den Speichel der Blutsauger und fand einen erstaunlichen Wirkstoff, der die Blutgerinnung unterbindet.

Was der Vampirfledermaus bei der Nahrungsaufnahme hilft, soll nun auch Menschen helfen. Gemeinsam mit verschiedenen deutschen Kliniken wird der Wirkstoff derzeit in klinischen Tests erprobt – mit erstaunlichen Ergebnissen in Bezug auf die Wirksamkeit.

Nachahmer des Anti-Gerinnungsmittels
Wissenschaftler bauten den Anti-Gerinnungswirkstoff, der ursprünglich im Speichel der Vampirfledermaus Desmodus rotundus gefunden wurde, gentechnisch nach. Das nachgebaute Protein namens „Desmoteplase“ wirkt durch gezielte Aktivierung körpereigener Stoffe, die Blutgerinnsel auflösen können.

Neurologen des Uniklinikums Aachen sind jetzt mittels des neuen Wirkstoffes Desmoteplase erstmals dazu in der Lage, Schlaganfallpatienten auch noch bis zu neun Stunden nach dem Einsetzen der akuten Schlaganfallsymptome zu behandeln. Galt es bisher, ein Zeitfenster von drei Stunden einhalten zu müssen, könnte durch eine Ausweitung des Zeitfensters für die Akutbehandlung von drei auf neun Stunden die Zahl der behandelbaren Schlaganfallpatienten deutlich erhöht werden.

Entwicklungsphase
Der Anti-Gerinnungswirkstoff wird als neues Schlaganfallmedikament von der Firma Paion entwickelt und aktuell im Rahmen der internationalen klinischen Studie „DIAS-2“ (Desmoteplase im akuten ischämischen Schlaganfall) weltweit in 71 Zentren – darunter in 14 deutschen – getestet.
Desmoteplase wird nun auch auf seine Wirksamkeit bei Lungenembolie untersucht. Wenn das Schlaganfallmedikament alle Zulassungsverfahren passiert, dann wird es voraussichtlich 2008 auf den Markt kommen.

 

 


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