Wie Antibiotikaverschreibung zu Resistenzen führt

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Antwerpen – Schon lange warnen Mikrobiologen davor, dass die unkritische Verschreibung von Antibiotika der beste Nährboden für die Verbreitung von Resistenzen ist.

Eine randomisierte kontrollierte Studie im Lancet (2007; 369: 482-490) liefert jetzt erstmals den Beweis für eine kausale Beziehung.

Die Gruppe um Herman Goossens von der Universität Antwerpen lud 347 gesunde Freiwillige ein, sich einer Behandlung mit Antibiotika zu unterziehen. Die Mikrobiologen entscheiden sich dabei für zwei häufig bei Rachen- und Atemwegsinfektionen eingesetzte Makrolide. Die Probanden wurden auf 500 mg Azithromycin über 3 Tage, 500 mg Clarithromycin zweimal täglich über 7 Tage oder auf Placebo randomisiert. Vor, während und nach der Therapie wurden regelmäßig Rachenabstriche entnommen. In diesen Abstrichen wurde nach Resistenzen bei Streptokokken gesucht, einem häufiger Vertreter der normalen Rachenflora.

Die Resistenzentwicklung ließ nicht lange auf sich warten. Nach wenigen Tagen schnellte der Anteil der makrolid-resistenten Streptokokken von etwas mehr als 20 auf über 80 Prozent nach oben. Bei Azithromycin wurde der Gipfel bereits nach 4 Tagen, bei Clarithromycin nach 8 Tagen erreicht. Danach nahm der Anteil wieder ab. Die Normalisierung der Flora verlief aber äußerst langsam. Noch am Tag 180, als die Studie beendet wurde, war der Anteil der resistenten Erreger signifikant höher als in der Placebo-Gruppe, obwohl die Antibiotikaeinnahme schon ein halbes Jahr zurücklag.

Antibiotika werden jedoch auch aus vielerlei Gründen zu häufig verschrieben. Jede systemische Therapie wirkt sich zwangläufig auf die Rachenflora aus. Zum sparsamen Einsatz von Antibiotika gibt es keine Alternative, wenn man vermeiden will, dass sich die Antibiotika-Ära , wie von vielen Mikrobiologen befürchtet, einem „apokalyptischen Ende“ nährt.

© rme
 

 


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