Ursache für den Tod von Gehirnzellen bei der Nervenkrankheit Parkinson

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Marburg (ddp). Ursache für den Tod von Gehirnzellen bei der Nervenkrankheit Parkinson ist ein fataler Irrweg, den die Neuronen einschlagen.

Zu diesem Ergebnis kommt ein internationales Forscherteam. «Obwohl sich die Nervenzellen des Gehirns nicht durch Zellteilung vermehren können, schalten erkrankte Zellen die gesamte molekulare Maschinerie an, die für die Zellteilung nötig ist und gehen schließlich daran zugrunde», sagt Günter U. Höglinger von der Universität Marburg.

Auslöser sei ein fehlgeleitetes Signal des Körpers. Diese Erkenntnis könnte nach Angaben der Uni Marburg die Basis für völlig neue Therapien sein. In einem ersten Schritt analysierten die Wissenschaftler das Gehirngewebe verstorbener Parkinson-Patienten.

Tatsächlich wies bei den untersuchten Nervenzellen laut Höglinger alles darauf hin, dass sie sich gleich teilen wollten. So seien bestimmte Stränge der Erbanlage bereits verdoppelt gewesen, auch waren molekulare Schalter aktiviert, die zu einer Zellteilung führen. Dies sei erstaunlich, da sich die Nervenzellen des Gehirns grundsätzlich nicht durch Zellteilung vermehren könnten, heißt es weiter.

Im Reagenzglas sowie in Tiermodellen konnten die Forscher im nächsten Schritt nachweisen, dass es bei den erkrankten Nervenzellen zu einem Konflikt von Signalen kommt. Dieser führt schließlich dazu, dass sie sich selbst umbringen. Durch das Nervensterben stellen sich bei Parkinson-Patienten Symptome wie eine Bewegungsverlangsamung, Muskelsteifheit und ein charakteristisches Zittern ein. «Der Versuch der Zellteilung und diese Art von Zelltod hängen wahrscheinlich eng miteinander zusammen», sagt Höglinger. Beides seien entwicklungsgeschichtlich sehr alte Prozesse, die sich möglicherweise parallel entwickelten und über gemeinsame Aktivierungsmechanismen verfügen.

In experimentellen Parkinson-Modellen konnten die Forscher bereits die detaillierte Abfolge der zellulären Signale entschlüsseln, die letztlich zum irrtümlichen Zelltod führen. «Besonders interessant ist, dass wir diese Signale bereits beeinflussen können. Im Tierversuch haben wir durch gentechnische Manipulation erreicht, dass die molekularen Schalter für die Zellteilung nicht mehr 'umgelegt' werden und dass infolgedessen auch der Zelltod ausbleibt», sagt Höglinger.

Das internationale Forscherteam erhofft sich nun, dass ihre Erkenntnisse zur Entwicklung neuer Strategien führen, die gefährdete Zellen schützen können.

 

 


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