Stress katapultiert den Blutdruck in die Höhe

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Ständige Hektik im Büro? Das kann ernste Folgen für die Gesundheit haben,

denn Wissenschaftler entdeckten: Stress katapultiert den Blutdruck in die Höhe.

Die Selbsthilfegruppe Schlaganfallbetroffener in München informiert:

Ob in der Familie oder im Job – auf Stress reagiert der Körper immer gleich. Er produziert große Mengen an Stresshormonen, die Blutgefäße verengen sich und die Herzfrequenz steigt. Welche Folgen hat das für den Körper?

Eine große Studie fand Antworten: Bei vielen berufstätigen Menschen lässt Stress den Blutdruck in die Höhe schießen – nur während der Arbeitszeit, montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr. Die deutsche STARLET-Studie (Stressinduzierte Hypertonie am Arbeitsplatz – Langzeituntersuchung) wurde anlässlich des 30. Wissenschaftlichen Kongresses der Deutschen Hochdruckliga Ende November in München vorgestellt.

Viel Verantwortung, wenig zu melden
Die Wissenschaftler beleuchteten den Zusammenhang zwischen Job, Stress und Blutdruck bei knapp 3.500 berufstätigen Personen zwischen 35 und 60 Jahren. Die Studienteilnehmer arbeiteten in der Metall-, Nahrungsmittel und Elektroindustrie sowie im öffentlichen Dienst oder in Gesundheitsberufen.

Nur 36 Prozent der Berufstätigen, so das Ergebnis, hatten während der Arbeitszeit einen normalen Blutdruck. Vor allem psychische Belastungen führten überdurchschnittlich häufig zu Bluthochdruck. "Besonders anfällig sind Menschen mit hoher Verantwortung und Arbeitsanforderung in Kombination mit geringem Entscheidungsspielraum", erklärt der Kongresspräsident Prof. Martin Middeke. "Im Krankenhaus ist das der Oberarzt." Diese Personen hätten ein zwei- bis dreifach höheres Herzinfarktrisiko.

Stress als Blutdruck-Katapult
Mit Hilfe von Fragebögen erfassten die Forscher, wie viel Stress die Probanden am Arbeitsplatz hatten. Angekreuzt werden konnte beispielsweise "Von mir wird viel verlangt", "Ich fühle mich unter Druck", "Ich kann wenig selbst bestimmen".

Der Blutdruck wurde mit einer 24-Stunden-Blutdruckmessung verfolgt (am Arbeitsplatz und zuhause). Als arbeitsassoziierter Bluthochdruck wurde eine Erhöhung um mindestens 8/5 mmHg definiert. Personen, die im Fragebogen Stress und hohe Arbeitsbelastung angaben, hatten überdurchschnittlich häufig erhöhte Blutdruckwerte.

Die Datenauswertung zeigte auch einen direkten zeitlichen Zusammenhang von Blutdruckhöhe und spezifischen Arbeitsbelastungen. In Situationen, die Probanden als stressig empfanden, schoss der Blutdruck nach oben.

"Stunde als Boxkampf"
Kein Unterschied ließ sich innerhalb der verschiedenen Berufsgruppen feststellen. Vielmehr hängen negativ erlebter Stress und Blutdruckerhöhung von der individuellen Fähigkeit ab, mit Drucksituationen umzugehen. Middeke sagt: "Eine belastende Situation hat nicht bei allen Personen die gleichen schädigenden Auswirkungen."

Wie ein Mensch Stress empfindet und darauf reagiert, ist individuell sehr unterschiedlich. Ein Beispiel sind Lehrer. Während ein Mathematiklehrer, der schwierige Schüler unterrichtet und Spaß im Beruf hat, völlig gelassen bleibt, gerät eine halbtags beschäftigte Sport- und Musiklehrerin unter Dauerdruck, weil sie ihren Job nicht gerne macht. "Sie empfindet jede Stunde wie einen Boxkampf und wartet nur auf den Gong", berichtet Prof. Jochen Schrader, Autor der STARLET-Studie, aus seiner Erfahrung. Ihr Blutdruck steigt entsprechend dem Stundenplan.

Normale Feierabendwerte
Bluthochdruck am Arbeitsplatz werde bisher weit unterschätzt, betont Middeke. Das liegt auch daran, dass der Blutdruck bei einer ärztlichen Routineuntersuchung wieder vollkommen normale Werte erreicht. Im Rahmen der STARLET-Studie wurde nur jede dritte Person mit Bluthochdruck auch behandelt. Leider nicht ausreichend, denn nur ein Viertel davon hatte tatsächlich normale Blutdruckwerte. Das änderte sich allerdings im Verlauf der Fünfjahresstudie. Am Ende erreichte knapp die Hälfte aller Personen mit Bluthochdruck gute Werte.

Herz und Hirn in Gefahr
Bluthochdruck ist eine Volkskrankheit. Etwa 30 Millionen Menschen in Deutschland seien betroffen, schätzt Experte Middeke. Er ist verantwortlich für Schlaganfall und Herzinfarkt, Herz- und Nierenschwäche sowie andere Organschäden. Bekannt ist auch, dass Stress schlecht fürs Immunsystem ist. Bei knapp der Hälfte aller Todesfälle in Deutschland spielt Bluthochdruck eine Rolle.

"Nach Übergewicht und Bewegungsmangel ist Stress der drittwichtigste Risikofaktor für Bluthochdruck", weiß Middeke. Betroffene sollten Methoden zur Stressbewältigung erlernen, empfiehlt er. Die meisten bevorzugten allerdings eine einfachere Methode – eine blutdrucksenkende Pille schlucken.

STARLET-Studie, Deutsche Medizinische Wochenschrift (DMW), 17.11.2006; 131 (46): 2580-2585;

 

 


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