Nachlassende Kognition im Alter

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Folsäure holt die Gedanken zurück.

Niedriger Folsäure- und erhöhter Homocysteinspiegel im Blut sind mit schlechter Kognition in der Allgemeinbevölkerung sowie mit Hippocampusatrophie assoziiert. Der Effekt einer Folsäuresubstitution auf die Kognition ist bislang unklar.

Die prospektive, randomisierte, placebokontrollierte Doppelblindstudie prüfte den Effekt einer täglichen Gabe von 800 µg Folsäure bzw. Placebo über drei Jahre auf kognitive Parameter. Sie war Teil des Folic Acid and Carotid Intima Thickness (FACIT) Trials, in dem der Einfluss einer Folsäure-Gabe auf die Progression von Atherosklerose untersucht wurde. Eingeschlossen wurden Personen zwischen 50 und 70 Jahren mit einer Hyperhomocysteinämie (≥ 13 µmol/l, < 26 µmol/l) und unauffälligem Vitamin-B12-Spiegel während des Screenings. 818 Probanden (etwa 70% Männer) wurden auf die zwei Behandlungsarme Folsäure/Placebo aufgeteilt. Die tatsächlichen Homocysteinwerte des Probandenkollektives bei der anschließenden Baseline-Untersuchung lagen zwischen 11,4 und 14,8 µmol/l. Die weit überwiegende Zahl der Personen war offensichtlich kognitiv unauffällig, nur sieben Probanden (einer in der Folsäuregruppe, sechs in der Placebogruppe) hatten bei Baseline eine Demenz (MMSE < 24). Die Kognition wurde mit Testverfahren untersucht, mit denen fünf kognitive Domänen abgedeckt werden (Gedächtnis, sensomotorische Geschwindigkeit, komplexe Geschwindigkeit, Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit, Wortflüssigkeit).

Ergebnis: Kognitive Leistungen, die mit dem Alter abnehmen, werden durch eine dreijährige hochdosiert Einnahme von Folsäure signifikant verbessert.

Homocystein ist eine toxische Aminosäure, die unter Mitwirkung von Folsäure in Methionin entgiftet wird. Dem Namen entsprechend ist Folsäure (Vit. B9) in grünen Blättern und Gemüse enthalten. Folsäuremangel ist aufgrund der Ernährungsgewohnheiten der häufigste Vitaminmangel in westlichen Industrienationen. Die mit Folsäuremangel assoziierte Hyperhomocysteinämie ist mit Atherosklerose, Glaukom, Depression, hippokampaler Atrophie und verringerten kognitiven Leistungen vergesellschaftet.

Mit dem gewählten Studiendesign werden die Nachteile der bisherigen negativen Studien zum Effekt von Folsäure auf Kognition vermieden: Die vorgelegte Studie verwendet eine Risikoprobandengruppe (Hyperhomocysteinämie bei Screening), die von einer Folsäuregabe profitieren sollten. Zum erfolgreichen Design gehören eine hohe Fallzahl und eine lange Behandlungsdauer. Es wurden Testverfahren verwendet, die altersbedingte kognitive Veränderungen sensitiv abbilden. Centereffekte wurden durch das monozentrische Design vermieden. Die Drop-out-Rate war sehr niedrig. Die Ergebnisse der Folsäuremessungen sprechen für die Effektivität der Compliancekontrolle.

Trotz einiger kritischer Anmerkungen zum Design und zur Durchführung leistet die vorgelegte Studie einen wichtigen Beitrag zum Verständnis von Life-style-Faktoren auf Kognition bei älteren Personen mit milder Hyperhomocysteinämie. Die Studie liefert ein weiteres Argument für eine generelle Folsäuresubstitution von Mehl, wie sie beispielsweise in den USA, in Kanada, Chile und Ungarn praktiziert wird.

Quelle: Durga J, Van Boxtel MP, Schouten EG, Kok FJ, Jolles J, Katan MB, Verhoef P. Effect of 3-year folic acid supplementation on cognitive function in older adults in the FACIT trial: a randomised, double blind, controlled trial. Lancet 2007; 369:208–216.

 


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