In einer Stunde: Um Jahre älter

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Beim Schlaganfall gehen in einer Stunde so viele Hirnzellen verloren wie sonst in 3,6 Jahren

‚Zeit ist Hirn!’ – mit dieser Formel klären Mediziner seit Jahren über den schnellen und fortschreitenden Verlust von Nervenzellen beim Schlaganfall auf. Erstmalig ist es einer amerikanischen Forschergruppe jetzt gelungen, die Dimensionen des Zelltods messbar darzustellen. Die Wissenschaftler um Professor Jeffrey L. Saver haben u. a. aufgezeigt, dass in jeder Stunde, in der ein Schlaganfall unbehandelt bleibt, so viele Neuronen im Gehirn absterben, wie bei normaler Alterung in 3,6 Jahren verloren gehen. Schnelles Handeln im Notfall ist also unerlässlich, um möglichst viele Gehirnzellen zu retten! Handelt es sich bei dem Notfall um einen ischämischen Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel im Gehirn Ursache ist, kann dieses mit Hilfe einer medikamentösen Lyse-Therapie aufgelöst und so der Zellverlust begrenzt werden, um Spätfolgen möglichst gar nicht erst auftreten zu lassen. Die besten Ergebnisse werden mit dieser Behandlung erzielt, wenn sie so früh wie möglich – innerhalb der ersten drei Stunden nach Einsetzen der Schlaganfall-Symptome – angewendet wird.
Beim Schlaganfall geht in kürzester Zeit eine große Menge an Nervengewebe im Gehirn verloren. Grund für den Zellverlust ist eine fehlende Sauerstoffversorgung aufgrund von Durchblutungsstörungen. Da Nervenzellen ihre Fähigkeit zur Zellteilung verloren haben, sind abgestorbene Nervenzellen nicht regenerierbar. Fast zwei Drittel von rund 100.000 Patienten, die einen Schlaganfall im ersten Jahr überleben, sind aufgrund des großen Zellverlusts lebenslang behindert und pflegebedürftig.

‚Zeit ist Hirn’ – Beim Schlaganfall zählt jede Sekunde!
Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher unter der Leitung von Professor Saver verschiedene zeitliche und quantitative Dimensionen des Gewebeverlusts beim ischämischen Schlaganfall ermittelt1. Das Ergebnis: Jede Sekunde, in der es nicht zu einer Behandlung kommt, gehen 32.000 Nervenzellen und 200 Meter Nervenfasern verloren. Der Zelltod von Hirnzellen entspricht dabei pro Sekunde dem Verlust an Nervenzellen, der sonst in 8,7 Stunden auftritt. Bleibt ein Schlaganfall gänzlich unbehandelt, verliert das Gehirn so viele Zellen wie sonst in 36 Jahren. Beim Schlaganfall zählt also buchstäblich jede Sekunde!

Der Zellverlust beim Schlaganfall ist begrenzbar!
„Zeit ist Hirn, und je früher ein Schlaganfallpatient behandelt wird, desto größer ist der Erfolg“, so Nils Wahlgren, Professor für Neurologie am Karolinska-Institut in Stockholm und Leiter von SITS International, einem internationalen Non-Profit-Zusammenschluss von Medizinern zur Zertifizierung der Kompetenz in der Behandlung des akuten Schlaganfalls2. Handelt es sich – wie in 80 Prozent der Fälle – um einen ischämischen Schlaganfall, bei dem ein Blutgerinnsel die Durchblutung des Gehirns blockiert, breitet sich der Sauerstoffmangel sukzessive aus. Ein Teil des Gewebes, das so genannte Risikogewebe (Penumbra), kann bei rechtzeitig einsetzender Wiederherstellung einer ausreichenden Blutversorgung gerettet werden. Wie viel Gehirngewebe unwiederbringlich geschädigt wird, ist daher insbesondere eine Frage der frühzeitig einsetzenden und effektiven Therapie. Mit Hilfe der Thrombolyse, bei welcher der Schlaganfallpatient intravenös ein biotechnisch hergestelltes Präparat erhält, kann die Hirndurchblutung durch Auflösung des Blutgerinnsels wiederhergestellt werden. Die Lyse-Behandlung ist am effektivsten, je kürzer der Zeitabschnitt zwischen Symptom- und Therapiebeginn ist. „Patienten, die einen Schlaganfall erleiden und innerhalb von drei Stunden ab Auftreten des Schlaganfalls thrombolytisch behandelt werden, haben eine bessere Überlebenschance und können ihren Alltagstätigkeiten auf unabhängige Weise nachgehen“, beschreibt Professor Wahlgren die Wirksamkeit dieser Behandlungsmethode.

Quellen:
Saver, Jeffrey L. (Stroke Center and Department of Neurology, University of California, Los Angeles): „Time is Brain – Quantified.“ In: Stroke. 2006; 37, S. 263-266.
Wahlgren, Nils et. al.: „Thrombolysis with alteplase for acute ischaemic stroke in the Safe Implementation of Thrombolysis in Stroke-Monitoring Study (SITS-MOST): an obversational study.“ In: The Lancet. 2007; 369, S. 275-285.

 

 

 


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