Genetisch bedingte Bindegewebsanomalien bei spontanen Dissektionen

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Eine spontane Dissektion stellt einen bedeutenden Risikofaktor für Schlaganfälle bei jungen Erwachsenen dar, auch wenn diese ansonsten keine der "klassischen" Risikofaktoren wie z. B. Hypertonie und Arteriosklerose aufweisen.

Bis auf wenige Ausnahmen, bei denen man eine mechanische Verletzung hatte feststellen können, blieb die Ursache der spontanen Dissektion – wovon es in Deutschland jedes Jahr schätzungsweise 2000 Fälle gibt – meist unklar.

Der interdisziplinären Kompetenznetz-Schlaganfall-Projektgruppe um Privatdozent Tobias Brandt, Heidelberg, mit Experten aus Neurologie, Ultrastrukturforschung und Genetik, konnte nun zeigen, dass spontanen Dissektionen ein Bindegewebsdefekt zu Grunde liegt. der möglicherweise auch eine genetische Basis hat.

Eine veränderte Arterienmorphologie bei Dissektionspatienten wurde bereits seit längerem vermutet und diskutiert, selten aber direkt an Patienten untersucht. Die Forschergruppe hatte 126 Dissektionspatienten sowie 29 gesunden Verwandten Hautproben oberhalb des Ellenbogens entnommen und elektronenmikroskopisch sowie histologisch analysiert.

Die Befundung zeigte, dass bei mehr als der Hälfte der Patienten (57%) eine veränderte Bindegewebsmorphologie vorlag. Weiterführende Untersuchungen ergaben, dass sich die gleichen Veränderungen auch in den Wänden hirnversorgender Gefäße finden lassen; ein genereller Bindegewebsdefekt bei Dissektionspatienten ist daher wahrscheinlich.

Diese Ergebnisse – spezifische Bindegewebsanomalien bei etwa jedem zweiten Dissektionspatienten, nicht aber in der Normalbevölkerung – konnten zwischenzeitlich nach Analysen in weiteren Patientenserien bestätigt werden.

Eine familiäre Häufung von Dissektionsfällen scheint dabei extrem selten zu sein; allerdings werden in den wenigen betroffenen Familien oft multiple Dissektionen registriert. Hausser et al. stellten fest, dass sich die mit Dissektionen assoziierten Bindegewebsanomalien drei verschiedenen Phänotypen zuordnen lassen, was eine heterogene genetische Basis der Defekte nahe legt.

Gemäß der Segregationsanalyse, die die Forscher für drei betroffene Familien durchführten, ist eine (autosomal dominante) Vererbung von dissektionsassoziierten Bindegewebsveränderungen wahrscheinlich, so das Fazit. Auch bislang beschwerdefreie Familienmitglieder von Dissektionspatienten könnten demzufolge ein erhöhtes Risiko für Dissektionen, bzw. auch für einen nachfolgenden Schlaganfall haben.

Chromosomen-Linkage-Analysen und Genomweite Untersuchungen sollen zur Identifizierung der beteiligten Gene führen.

Genetiker untersuchen derzeit Kandidatengene auf Chromosom 15, deren Genprodukte essentiell für einen intakten Arterienwandaufbau sind.

Langfristiges Ziel ist, durch die Identifizierung der genetischen Grundlage von dissektionsassoziierten Bindegewebsanomalien ein praxistaugliches Testverfahren zu entwickeln, mit dem man Risikopatienten frühzeitig erkennen und vorsorglich beraten kann.

Quelle: Schlaganfall-Kompetenznetz

 

 

 


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