München (netdoktor.de) – Depressionen erhöhen das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen im gleichen Maße wie Zigarettenkonsum. Und das gelte sowohl für Herzgesunde als auch für Herzkranke, erklärte Dr. Florian Lederbogen (Mannheim) auf der 73. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
Bislang wurde angenommen, das erhöhte Herzrisiko bei depressiven Menschen könne eine Nebenwirkung bestimmter Antidepressiva sein. Stattdessen scheint es dafür eine Reihe anderer Ursachen zu geben.
Zum einen haben Depressionen laut Dr. Lederbogen oft einen negativen Einfluss auf die Lebensweise: „Depressive Patienten zeigen eine niedrigere Erfolgsrate bei der Einhaltung wichtiger Therapieprinzipien wie Sport, Ernährung und Medikamenteneinnahme und schaffen es seltener, mit dem Rauchen aufzuhören.“
Zum anderen soll es auch biologische Faktoren geben, die das Herzrisiko bei Depression erhöhen, aber bislang nicht immer eindeutig identifiziert werden konnten.
So haben Depressive in ihrem Körper beispielsweise deutlich mehr von den fettakkumulierenden Hormonen Kortisol und Insulin als von den fettmobilisierenden Hormonen Testosteron und Wachstumshormon. Das könnte die Ursache dafür sein, dass diese Patienten vermehrt Hüftfett bilden. Und dieses steigert das Risiko für Gefäßverstopfungen.
Welche Bedeutung solche und ähnliche Zusammenhänge tatsächlich für das Herzrisiko bei Depressiven haben, sei bislang noch unklar, so Dr. Lederbogen. Wichtig sei es aber, bei Herzkranken gezielt nach Depressionen zu suchen.
Etwa fünf Prozent der Bevölkerung in Deutschland litten derzeit an einer behandlungsbedürftigen Depression, schätzt das Kompetenznetz Depression. In Deutschland seien das etwa vier Millionen Menschen.
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