Botenstoffe aus dem Bauchfett schaden den Arterien

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

Fettgewebe am Bauch ist ein hormonell hochaktives Organ
MÜNCHEN (wst). Mit Übergewicht steigt das Risiko für Atherosklerose und Typ-2-Diabetes. Auf der Suche nach der Ursache dafür rücken zunehmend chronische systemische Entzündungen, die besonders von Bauchfett unterhalten werden, in den Mittelpunkt der Forschung.
Fettgewebe und besonders bauchbetontes Fett ist nicht nur ein Energiespeicher sondern ein endokrines Organ, das unter anderem permanent viele proinflammatorische Botenstoffe freisetzt, hat der Internist Professor Klaus Parhofer vom Universitätsklinikum München-Großhadern auf einer Pressekonferenz berichtet. Aus Tierversuchen und In-vitro-Untersuchungen wissen wir schon länger, dass vom Fettgewebe freigesetzte Entzündungsmediatoren wie Interleukin-1 oder auch Leptin das Plaquewachstum in den Arterien vorantreiben und somit die Atherosklerose fördern.

Entzündungsmediatoren aus dem Fettgewebe sind nach neueren Befunden auch Mitursache dafür, dass die Sensitivität der Insulinrezeptoren in Muskel- und Leberzellen herabgesetzt und damit eine Wurzel für die Insulinresistenz gelegt wird. Zugleich gibt es Hinweise dafür, dass ein Überangebot von Entzündungsmediatoren im Blut den Untergang Insulin produzierender Betazellen beschleunigt, sagte Parhofer beim Weltkongress über Trauma, Schock, Entzündung und Sepsis in München.

Erste klinische Studie mit Interleukin-1-Antagonist
Dass es sich dabei nicht mehr nur um graue Theorie handelt, zeigen erste klinische Untersuchungen zum Einsatz des ursprünglich für Rheumapatienten entwickelten Interleukin-1-Rezeptor-Antagonisten Anakinra bei Typ-2-Diabetikern, ergänzte Kongresspräsident Professor Eugen Faist vom Klinikum Großhadern.

Eine Arbeitsgruppe um Dr. Claus M. Larsen aus Gentofte in Dänemark hat dabei eine signifikant verbesserte Blutzuckerkontrolle unter Einfluss dieses Entzündungsblockers belegt. Auch die gebremste Entwicklung zum Typ-2-Diabetes unter einer Statintherapie dürfte zumindest zum Teil auf dem entzündungshemmenden Potenzial der Statine beruhen, so Parhofer.

Bauchfett ist eine Brutstätte für Botenstoffe, die Entzündungen auslösen. Nur eines hilft: Abnehmen, aber an der richtigen Stelle
von Dr. Katharina Laurisch

Speckbäuche sind ein ästhetisches Problem – und ein gesundheitliches. Ein dicker Fettmantel um die inneren Organe ist eine Produktionsstätte für Botenstoffe, die Entzündungen fördern und sich auf den gesamten Organismus schädlich auswirken. Hergestellt werden beispielsweise Zytokine wie das C-reaktive Protein (CRP) oder Interleukin-6. Je dicker die Speckschicht, desto höher ist auch die Konzentration. Dieses (viszerale) Fett ist anders zusammengesetzt als die Speckschicht an Gesäß, Hüften oder Oberschenkeln. Gewebeproben zeigten, dass neben Fettzellen viele weiße Blutkörperchen (Makrophagen) darin stecken – Blutzellen, die bei entzündlichen Prozessen eine Rolle spielen. Beide Zellarten kurbeln die Produktion der Botenstoffe an. "Dieses Fett ist die größte Drüse des Körpers", sagt Prof. Matthias Blüher von der Universität Leipzig auf einer Pressekonferenz in München.

Dicke Bäuche
Forscher vermuten schon seit längerem, dass Volkskrankheiten wie Herzinfarkt, Alzheimer oder Diabetes durch chronische Entzündungen verursacht werden. Prof. Klaus Parhofer, Oberarzt der Medizinischen Klinik II des Klinikums Großhadern in München, erklärt das so: "Eine Körperzelle hat nur ein beschränktes Reaktionsarsenal. Wird sie geschädigt, kann sie absterben oder mit einer Entzündung reagieren." Warum ausgerechnet das Bauchfett entzündungsfördernde Stoffe produziert, ist bis heute unklar. Vermutlich sei es "unreifes Fett, das noch nicht als Depot eingelagert ist". Dieses scheint keinen Einfluss mehr auf die Entzündungswerte zu haben.

Stark gefährdet seien Frauen mit einem Bauchumfang ab 88 Zentimetern und Männer mit mehr als 102 Zentimetern, erklärt Blüher anlässlich des Weltkongresses Trauma, Schock, Entzündung und Sepsis.

Tödliches Quartett
Zytokine machen die Leber- und Muskelzellen gegenüber Insulin unempfindlich, auch die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse nehmen Schaden. Das Insulin wirkt nicht mehr richtig und die Zellen können nicht mehr ausreichend Zucker aus dem Blut aufnehmen. Die Folge ist das Metabolische Syndrom, eine Kombination aus zu hohen Zucker-, Fett- und Blutdruckwerten sowie Übergewicht. Fachleute sprechen auch vom "tödlichen Quartett". In der westlichen Welt leidet jeder vierte Erwachsene am Metabolischen Syndrom und stirbt viele Jahre früher als ein gesunder Mensch.

Endstation Gefäßverschluss
Hohe Zuckerwerte schädigen den Körper weiter. "Sie alleine rufen noch keine Entzündungsreaktion hervor, sondern es bedarf einer zweiten Komponente – und das ist das Bauchfett", weiß Parhofer. So hätten schlanke Typ-1 Diabetiker im Gegensatz zu den meist übergewichtigen Typ-2 Diabetikern normale Entzündungswerte.

Die Kombination aus hohen Zuckerwerten und zu vielen Botenstoffen wirkt sich noch an anderen Stellen des Körpers schädlich aus. Weiße Blutzellen lagern sich vermehrt in die Wand der Blutgefäße ein, vermischen sich dort mit Fetten und führen zur Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Reißt die Gefäßablagerung ein, lagern sich dort Blutplättchen an und verschließen das Gefäß. Bei Patienten mit erhöhten Entzündungswerten ist die Gefäßwand insgesamt schwächer und reißt schneller.

Ein weiterer Angriffspunkt ist das Gerinnungssystem. Hohe Zuckerwerte verändern die Gerinnungseiweiße. Das Blut gerinnt schneller und kann die Gefäße leichter verschließen. Schlaganfall oder Herzinfarkt sind die Folgen.

 

 


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