Alzheimer: Gegirnjogging bringt Vergessenes zurück

Donnerstag, 11. März 2010 verfasst von admin

München. "Alzheimer"-Mäuse sind dank „Hirnjogging“ und bestimmter chemischer Stoffe wieder lernfähig

und können sich sogar an bereits Vergessenes erinnern. Das berichten Forscher vom European Neurosciences Institute Göttingen (ENI-G) und dem Massachusetts Institute of Technology (Boston, USA) im Fachmagazin "Nature" (NATURE online am 29.04.2007). Alzheimer-Patienten haben bei ihrem Tod bis zu einem Drittel weniger Gehirnvolumen als Gesunde. Im Verlauf der Erkrankung gehen Erinnerungen verloren – aber nicht unbedingt gleich für immer, vermuten Neurowissenschaftler. Vielmehr werden sie für das Bewusstsein nur unerreichbar, weil die Nervenverbindungen zu den Speicherorten untergehen. Der Grund: Im Gehirn von Alzheimer-Patienten ist das Eiweiß p35 übermäßig aktiv. Dadurch beschädigt es das innere Skelett der Nervenzellfortsätze – sie brechen zusammen. Die Nerven können nicht mehr über Kontaktstellen (Synapsen) miteinander kommunizieren und sterben schließlich ab.

Dr. André Fischer (ENI-G) und seine Kollegen wollten nun herausfinden, ob sich Lernfähigkeit und Erinnerungsvermögen bei demenzkranken Mäusen wieder herstellen lassen. Dazu setzten sie die Mäuse für vier Wochen in eine "bereichernde Umwelt" mit viel Spielzeug und verstecktem Futter. Bei gleich bleibend geringer Hirnmasse verbesserten sich das räumliche Orientierungsvermögen und die Fähigkeit, geistige Verknüpfungen herzustellen, bei den "Lern-Mäusen" deutlich im Vergleich zu den Artgenossen in "langweiliger" Standard-Unterbringung. Die Nager in abwechslungsreicher Umgebung begannen sogar, sich an Dinge zu erinnern, die sie längst vergessen hatten. Biochemische Untersuchungen zeigten, dass in ihrem Gehirn mehr Nervenfortsätze und Synapsen in den betroffenen Hirnregionen vorhanden waren. Dieser Effekt kam möglicherweise durch die Aktivierung bestimmter Gene zustande, vermuten die Forscher. Eine solche Gen-Aktivierung konnten sie in einem weiteren Test auch mithilfe chemischer Substanzen, der so genannten HDAC-Inhibitoren, erzielen.

Die Ergebnisse sollen nun als Ausgangspunkt für klinische Studien am Menschen dienen. "Sowohl geistige Stimulation als auch die Behandlung mit HDAC-Inhibitoren könnte die Gedächtnisleistung von bereits erkrankten Alzheimer-Patienten verbessern“, hofft Dr. Fischer. Die Studie hätte gezeigt, dass die verbliebenen Nervenzellen die Aufgaben der bereits abgestorbenen Hirnzellen zumindest teilweise übernehmen können, wenn sie gefordert oder mit Medikamenten behandelt werden. Möglicherweise könne man damit auch Alzheimer-Patienten helfen, den Kontakt zu ihren Erinnerungen zu halten und lernfähig zu bleiben. "Ob wir den weiteren Verlauf der Erkrankung mit den HDAC-Inhibitoren ganz aufhalten können, wissen wir auch für Mäuse noch nicht. Unsere aktuellen Forschungen deuten jedoch darauf hin", sagt Dr. Fischer.

 

 

 


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