Motorische Rehabilitation nach Schlaganfall

Sonntag, 7. März 2010 verfasst von admin

Motorische Rehabilitation nach Schlaganfall / Die neuronale Plastizität nutzen
Für die motorische Rehabilitation nach Schlaganfall existieren mehrere Methoden. Für die Behandlung der Hemiparese mit erzwungenen Gebrauch (CIMT) gab es bisher mehrere kleinere Studien. Mit der nun vorliegenden Studie im Vergleich zur konventionellen Rehabilitation ist sie die am besten evaluierte erfolgreiche Methode.

In dieser prospektiven multizentrischen, randomisierten kontrollierten Studie wurden 222 Patienten eingeschlossen, deren Schlaganfall drei bis neun Monate zurücklag. Die Patienten wurden in je eine Gruppe mit besserer oder schlechterer motorischer Funktion unterteilt. Voraussetzung in der Gruppe mit besserer Funktion war eine erhaltene Streckfunktion in der Hand von wenigstens 20°, in den Fingergelenken von wenigsten wenigstens 10°. In der Gruppe mit schlechterer Funktion mussten wenigstens 10° Streckfunktion im Handgelenk und wenigstens 10° Streckung in mindestens zwei Fingern erreicht werden. Alle Patienten mussten sicher stehen und gehen können und unabhängig beim Positionswechsel sowie beim An- und Auskleiden sein. In der CIMT-Gruppe wurde der nicht-gelähmte Arm für 90% der Wachzeit mobilisiert. Während der zweiwöchigen Immobilisierung erhielten die Patienten an Werktagen täglich sechs Stunden ein intensives motorisches Trainingsprogramm. Wirksame Bestandteile des Trainings sind intensives, repetitives Üben, alltagsnahes aufgabenorientiertes Üben und ständiges Anpassen und Anheben der Anforderung an die aktuelle Leistungsgrenze des Patienten. In der Kontrollgruppe wurde konventionelle Physiotherapie und Ergotherapie durchgeführt. Die primären Endpunkte waren die Verbesserung in verschiedenen motorischen Funktionstests 12 Monate nach Beginn der Therapie. Mithilfe dieser Tests wurde der Zeitbedarf für funktionelle Bewegungen, die Kraftentfaltung und wie häufig der lebendige Arm bei Alltags Aktivitäten eingesetzt wurde quantifiziert.

Ergebnis: nach 12 Monaten zeigte die CIMT-Gruppe auf beiden motorischen Skalen bessere Funktionen. Die funktionellen Bewegungen und die Kraftentfaltung verbesserten sich um 52% gegenüber 26% in der Kontrollgruppe. Der Einsatz des paretischen Arms bei Alltagsaktivitäten verbesserte sich in der CIMT-Gruppe von 1,21 auf 2,13 Punkte, in der Kontrollgruppe hingegen nur von 1,18 auf 1,66 Punkte. Die Verbesserung zeigte sich schon am Ende der zweiwöchigen Intervention und blieb im Beobachtungszeitraum erhalten.

Schlussfolgerung: Bei Schlaganfallpatienten mit einer Halbseitenlähmung können durch eine zweiwöchige CIMT-Behandlung motorische Verbesserungen erzielt werden, die auch noch 12 Monate nach Therapie Ende bestehen.

Quelle: Wolf SL et al. Effects of constraint-induced movement therapy on upper extremity function 3 to 9 month after stroke: the EXCITE randomized clinical trial. JAMA 2006;296:2095-2104.
 

 


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