An Wochenenden sinkt die Überlebenschance

Samstag, 6. März 2010 verfasst von admin

An Wochenenden sinkt die Überlebenschance bei Schlaganfall
Plötzlich ist die Sprache weg, das Blickfeld getrübt, Gefühlsstörungen breiten sich in Armen oder Beinen aus. Ein Schlaganfall kommt ohne Vorankündigung und ist lebensgefährlich.

Zwischen 25 und 45 Prozent der Betroffenen sterben innerhalb der ersten Wochen. Besonders schlecht ist die Prognose offenbar, wenn Menschen am Wochenende einen Schlaganfall bekommen.

Dies zeigt eine Studie aus Kanada in dem Fachmagazin Stroke (online).Der Neurologe Gustavo Saposnik aus Toronto und seine Kollegen haben Daten von 26676 Patienten analysiert, die im Laufe eines Jahres mit Schlaganfall ins Krankenhaus mussten. 2039 Menschen starben in den ersten sieben Tagen nach dem Anfall. Diejenigen, die am Wochenende in die Klinik gebracht worden waren, hatten ein 13 Prozent höheres Risiko zu sterben als die Patienten, die an den Werktagen ins Krankenhaus kamen.

Der Wochenendeffekt war noch größer, wenn die Patienten in ein ländliches Krankenhaus statt in ein städtisches kamen,und wenn ein Allgemein- statt eines Facharztes Dienst hatte. "Die Ergebnisse überraschen nicht", sagt Werner Hacke" Präsident der Europäischen Schlaganfall-Initiative. "In keinem Krankenhaus ist zu jeder Zeit die gleiche Qualität der medizinischen Versorgung verfügbar. " Studienleiter Saposnik nennt als mögliche Gründe für die höhere Todesrate am Wochenende eine schlechtere medizinische Ausstattung, eine geringere Zahl von Ärzten und Pflegenden oder mangelndes Fachwissen.

"Es kommt aber nicht auf die Expertise des Einzelnen, sondern auf ein gutes Team an", sagt Hacke. In Deutschland wurden deshalb – wie in anderen Ländern auch – Schlaganfall-Einheiten (stroke units) eingerichtet. Hier wird sofort nach der Akuttherapie mit Schlucktraining, Sprachübungen und Krankengymnastik begonnen – egal, ob der Schlaganfall unter der Woche oder am Wochenende stattfand. "Schlucktraining ist wichtig, denn viele Patienten sterben, weil sie sich verschlucken und eine Lungenentzündung bekommen", sagt Hacke. Leider kommt nicht jeder Schlaganfallpatient in eine stroke unit – diese befinden sich meist in Ballungszentren. Bei Anzeichen eines Schlaganfalles sollte sofort gehandelt werden. "Den Notarzt rufen oder gleich in die Klinik" , sagt Saposnik. Je eher, desto besser – nach dem Motto "Zeit ist Hirn".

Aus: Süddeutsche Zeitung Nr. 58 vom Samstag, 10. März 2007

 


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